Sprecher des Forums:
Dr. Michael Christian Müller
Güglingweg 38
70439 Stuttgart
Tel.: 0160 94902072
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Ziel des Forums

Das Forum setzt sich für eine Baukultur ein, deren Qualitätsmerkmal das Prinzip der Nachhaltigkeit ist. Zum einen betrachtet er das kulturelle Erbe der Region als unwiederbringliche und unverzichtbare Daseinsgrundlage. Schutz und Pflege des Kulturerbes in seiner gesamten Vielgestaltigkeit sind uns deshalb ein Basiswert und unverzichtbarer Qualitätsfaktor zukunftsweisender Baukultur.

Zum anderen betrachtet das Forum innovative architektonische und städtebauliche Lösungen als Antwort auf die Herausforderungen, die mit den aktuellen und künftigen strukturellen Veränderungen verbunden sind. Integrierte und partizipative Planungs- und Entscheidungsprozesse, die von den Potenzialen regionaler Allianzen und Synergien profitieren, sind weitere Qualitätsfaktoren zukunftsweisender Baukultur für die Region.

Ziele des Forums sind daher,

  • für den Wert des kulturellen Erbes der Region in seiner gesamten Vielgestaltigkeit zu sensibilisieren, die Identifikation mit ihm und der Region zu fördern und für seine Bewahrung einzutreten;
  • die Bedeutung der gebauten Umwelt für Lebensqualität und Standortattraktivität zu vermitteln und das Interesse zu fördern, sich zu engagieren und an Planungs- und Bauprozessen mitzuwirken;
  • ein Planen und Bauen zu fördern, das sich durch innovative Gestaltungsansätze und zukunftsfähige Funktionalität auszeichnet und zugleich orts- und bestandsbezogen entwickelt ist.

Um diese Ziele in Form von Aktivitäten und Projekten zu konkretisieren, treffen sich die Mitglieder des Forums zu Sitzungen und Workshops. Beabsichtigt ist z. B., öffentliche Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen anzubieten, um interessante Einzelthemen, die aber die gesamte Region betreffen, zu behandeln und bekannter zu machen. Dem soll auch eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit dienen, u. a. in Kooperation mit TV-Mittelrhein/WW-TV und in Form von Publikationen.

Mit diesen Zielen und Aktivitäten ist die Einladung an Sie verbunden, Gedanken und Anregungen auszutauschen,  denn die Pflege des Kulturerbes und die Baukultur der Region leben vom Mitreden und Mittun – und von gegenseitiger Unterstützung. Ihre Bedürfnisse, Ihre Anregungen und Ihre Ideen sind unsere Themen. Sprechen Sie uns an und lassen Sie uns wissen, welche Themen Sie bewegen. Das Forum soll eine Plattform für alle sein, die sich für die Zukunft des Kulturerbes der Region und eine zukunftsfähige Baukultur einsetzen: es ist unsere Region, die auch künftig Heimat mit Perspektive sein soll.

Die konstituierende Sitzung des Forums fand am 07.08.2012 in der Hochschule Koblenz statt. Vertreter vieler relevanter Institutionen und Initiativen nahmen daran teil. Vor der Diskussion der Teilnehmer/innen über die Ziele des Forums hielt Dr. Müller ein Impulsreferat.


Themen

Unsere Themen sind die Bewahrung des kulturellen Erbes der Region und eine zukunftsfähige Baukultur. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar: Die Zukunft des kulturellen Erbes der Region liegt in lebendigen Städte und Gemeinden, in denen Menschen gerne wohnen und arbeiten, in denen lokale Traditionen und kreative Lösungen eine zukunftsweisende Allianz eingehen. Die Zukunft der Städte und Gemeinden liegt wiederum in einem gepflegten Kulturerbe und einer hochwertigen Architektur, die den künftigen Anforderungen gerecht wird. Die besondere Zukunftschance liegt nicht zuletzt darin, das Kulturerbe insgesamt als Ressource und Impulsgeber für künftige Entwicklungen zu erschließen. Was aber heißt für uns Kulturelles Erbe? Was ist mit Baukultur gemeint?

Kulturerbe
Dörfer, Städte und Kulturlandschaften geben der Region Koblenz-Mittelrhein ihr unverwechselbares Gesicht. Menschen der vergangenen Jahrhunderte haben mit dem Bau von Kirchen, Burgen und Schlössern, Bürgerhäusern, Bauernhöfen und vielem mehr einzigartige Orte geschaffen. Es ist dieses über Jahrhunderte gewachsene Zusammenspiel der Bauten, der Straßen und Plätze und der Landschaftselemente, das das Besondere dieser Orte ausmacht.

Die Vielgestaltigkeit der Orte und Kulturlandschaften in der Region ist Ausdruck der Vielfalt der Lebenskulturen und ihrer Dynamik: unser gemeinsames Kulturerbe. Das UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ ist Sinnbild dieses von Vielfalt geprägten Kulturraums und seiner wechselhaften Geschichte. Das Welterbe des „Limes“, wie auch der Rhein, stehen für den Austausch der Kulturen und für die Kreativität die aus dem Wechselspiel der Einflüsse entsteht. Das Kulturerbe der Region erhält dadurch seinen besonderen Reiz.

Neben den großen „Meisterwerken“ sind es die Denkmäler der bäuerlichen Kulturen, des Handwerks und der Industrie, die das Bild der Region prägen. Bodenschätze und deren Verarbeitung, Wald- und Ackerwirtschaft oder der Weinbau haben die Kulturlandschaften geprägt. Die Römer wussten die Vorzüge der Region genauso zu nutzen, wie die Mönche des Mittelalters oder die Kurfürsten der Neuzeit. Dass diese Vorzüge auch Begehrlichkeiten weckten, zeigen die Kämpfe um die Region, wechselnde Grenzverläufe und unterschiedliche Gebietszugehörigkeiten.

Die Vielfalt der lokalen Traditionen erleben wir heute immer noch im Brauchtum: Feste, Tänze und Trachten, religiöse Feiern, Lieder und Prozessionen, aber auch Handwerkstraditionen und Kochrezepte. All dies trägt zur Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen der Region bei und zeigt: Kulturerbe und Leben gehören zusammen. In Vereinen und Initiativen engagieren sich Viele gemeinsam für die Zukunft dieser Traditionen. Das immaterielle Kulturerbe verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Es fördert die Gemeinschaft und die Identifizierung mit dem Lebensraum.

Das Kulturerbe der Region Koblenz-Mittelrhein hält nicht zuletzt manche Überraschung parat, die in Erstaunen versetzt. Es kann uns aber auch wertvolle Impulse für die Zukunft geben, als Erkundungsziele für kulturelle und ästhetische Bildung, als Ideengeber für künftiges Planen und Bauen, als Orte für kulturelles Leben und Arbeitsformen der Zukunft. Das Kulturerbe ist somit ein Qualitätsmerkmal einer zukunftsorientierten Regionalentwicklung – ein guter Grund für besondere Wertschätzung und Achtsamkeit.

Baukultur
Wie weiter bauen? Wie die Menschen der Vergangenheit, so stehen auch wir heute vor großen Herausforderungen, die zukunftsfähige Lösungen verlangen. Mit diesen Herausforderungen beschäftigen sich die Foren der Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e. V.: mit dem demografischen Wandel, mit der Zukunft des ländlichen Raums, mit Mobilität oder auch der Gesundheitsversorgung. Wie aber sehen die Wohnungen der Zukunft aus, wie sollen Schulen gestaltet sein, um Lernen zu unterstützen, wie Büroräume, die gesundheitsförderlich sind, und: wie soll das unwiederbringliche Kulturerbe der Region für die Zukunft bewahrt werden? Welche Baukultur brauchen die Menschen, braucht die Region?

Unsere Kultur des Bauens ist eine Qualitätsfrage. Es geht um die Lebensqualität im privaten und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum – für alle gleichermaßen. Die Kultur des Bauens ist immer auch eine Kultur des Sozialen, denn sie betrifft am Ende den Menschen in seinen Lebensbedingungen und -möglichkeiten. Vor dem Hintergrund der Lehren, die wir aus der Geschichte architektonischer und städtebaulicher Irrtümer zu ziehen haben, ist das Prinzip der Nachhaltigkeit die Schlüsselstrategie für eine zukunftsfähige Baukultur. Denn unter das Prinzip der Nachhaltigkeit fallen neben ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten auch soziale und eben kulturelle Belange.

In unserer pluralistischen Gesellschaft mit ihrem hohen Individualisierungsgrad ist das eine große Herausforderung. Da Gebäude dauerhaft unsere Lebenswelt und die unserer Kinder prägen, bedeutet Nachhaltigkeit, dass möglichst viele Menschen an der Bewahrung des Kulturerbes und der Entwicklung der gebauten Umwelt aktiv mitwirken – sei es durch die Beteiligung an Planungsprozessen für größere Vorhaben oder in der Pflege des eigenen Hauses. Die Ziele des Forums Kulturelles Erbe und Baukultur sind der Förderung einer solchen Baukultur verpflichtet, denn sie wird das Kulturerbe unserer Kinder und Enkel sein.